Heimatbundraum

Heimatbundraum

Der restaurierte Bierkeller im Westflügel des ehemaligen Klosters Wedinghausen, Klosterstraße 11 – das neue Domizil des Arnsberger Heimatbundes

Seit Anfang des Jahres 2008 konnte der alte Bierkeller des ehemaligen Klosters Wedinghausen vom Arnsberger Heimatbund nach Vorgaben des Denkmalschutzes und sicherheits- und brandschutztechnischen Erfordernissen aufwändig restauriert werden.

Das beeindruckende Tonnengewölbe und die benachbarten drei Gewölbe sind die Reste eines mittelalterlichen Vorgängerbaues des heutigen Westflügels. Möglicherweise stammen sie noch aus der Gründungszeit des Prämonstratenserklosters, das 1170/73 von Graf Heinrich I. von Arnsberg – dem „Brudermörder“ – als Sühne für den Tod seines Bruder Friedrich gestiftet wurde.

Bis zu 4 Meter dickes Mauerwerk

Während der Restaurierung fanden sich zwei Vorratsnischen, die Jahrhunderte lang vermauert gewesen waren. Daneben konnte der nach der Klosterauflösung 1803 verschüttete Treppenaufgang in das Refektorium (Speisesaal) der Mönche freigelegt und durch eine von oben begehbare Glasplatte wieder sichtbar gemacht werden. Auch die zugemauerte Treppe in den Kreuzgang wurde geöffnet. Sie ist nun ebenfalls durch eine Glasscheibe einsehbar. Ein Durchgang zum Nachbargewölbe, der 1942 beim Umbau des Bierkellers in einen Luftschutzraum vermauert worden war, ist ebenfalls wieder geöffnet worden. Die spektakuläre Lichtgestaltung, die das historische Gewölbe besonders betont, akzentuiert die Nischen und Maueröffnungen und verschafft dem Raum eine einzigartige Atmosphäre.

Freigelegte Vorratsnische

Seit Beginn der Umbauarbeiten am Westflügel im Jahre 2002 war beabsichtigt, den Arnsberger Heimatbund und sein umfangreiches Archiv im Gebäude Klosterstraße 11 unterzubringen. Für den Umbau des Gewölbes hatte der Heimatbund seitdem Sponsorengelder gesammelt. Doch erst Anfang 2008 konnten die Arbeiten beginnen. Die anfänglich eingeplanten Kosten stiegen wegen vielfältiger Auflagen auf rund 70.000 Euro an.

Der Klosterbierkeller dient als Tagungs- und Versammlungsraum und als ein Ort für Vorträge, Vorlesungen und Zusammenkünfte sein. Hier besteht für den Heimatbund auch die Möglichkeit, sich zu präsentieren und seine Arbeit vorzustellen. Bei Tagen der Offenen Tür oder während des Grafenbegängnisses wird das Gewölbe auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In die speziellen Führungen durch das Arnsberger Stadtarchiv wird der restaurierte Klosterbierkeller ebenso eingebunden wie in die themengebundenen Stadtführungen des Verkehrsvereins.

Blick in den Bierkeller

Durch die Restaurierung wurde ein historischer Raum wiederentdeckt, der tiefe Einblicke in die Vergangenheit zulässt und sehr anschaulich viele Geschichten aus der Klosterzeit und den folgenden Jahrhunderten erzählen kann. Mit seiner Fertigstellung ist der 2002 begonnene Umbau des Westflügels des Klosters Wedinghausen abgeschlossen. Erst jetzt zeigt sich die innere Vielfalt des in seiner Außenfassade doch recht schlicht gehaltenen Gebäudes: vom Dachgeschoss mit den Räumen des Stadtarchivs über das Obergeschoss mit dem Archivmagazin, vom Erdgeschoss mit dem Kreuzgang und den Ausstellungsräumen bis in den Klosterbierkeller ist ein Gebäude wiedergewonnen worden, dass auf allen Ebenen über jeweils besondere Qualitäten verfügt.

Blick in den Bierkeller

Der Arnsberger Heimatbund dankt allen Sponsoren, die die Restaurierung ermöglicht und den beteiligten Firmen, die die Arbeiten ausgeführt haben. Besonderer Dank gilt Frau Sabine Brunner für die beeindruckende Lichtgestaltung. Auch der Stadt Arnsberg als Eigentümerin und den städtischen Mitarbeitern Ulrich Grewe, Bauunterhaltung und Ralf Herbrich, Untere Denkmalbehörde ist der Heimatbund für ihre Hilfeleistungen zu Dank verpflichtet.

Freigelegter Treppenaufgang

Zur Lichtgestaltung: Die Lichtgestaltung wird der besonderen Architektur im Kellergewölbe gerecht. Die sichtbare Form der Leuchten sowie das Leuchtendesign sollen in den Hintergrund rücken, während das indirekte Licht der seitlichen Lichtkanäle die wirkliche Größe und Schönheit des Raumes entfaltet. Die dimmbaren Lichtkanäle erlauben es, für wechselnde Anforderungen mit unterschiedlichen Lichtniveaus zu arbeiten. Warm-weiße Leuchtmittel unterstreichen das Mauerwerk und erzeugen eine angenehme Atmosphäre. Die akzentuierte Beleuchtung der Nischen rundet das stimmungsvolle Gesamtbild ab. Der mehrere Meter tiefe blinde Lichtschacht erhält durch eine „künstliche Sonne“ wieder eine Funktion. Besondere Bedeutung kommt dem Aufgang ins Refektorium zu, der durch Akzentstrahler mit farblichem Licht inszeniert wird. So soll in der Ausstellung darüber der Blick in den „geheimnisvollen, geschichtsträchtigen“ Gewölbekeller gelenkt werden.

Zur denkmalgerechten Restaurierung: Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadtverwaltung und dem LWL – Amt für Denkmalpflege in Westfalen, Münster. Die der Restaurierung vorhergehende Grundlagenforschung förderte historische Pläne zutage, die im Klosterbierkeller vermauerte Wirtschaftswege und Nischen vermuten ließen. Daraufhin wurden Befunduntersuchungen durch substanzschonende Sondierungen im Mauerwerk angestellt, die die Pläne als zutreffend erwiesen. So konnten der Aufgang ins Refektorium, die Treppe zum Kreuzgang sowie zwei Mauernischen geöffnet werden. Nun bestand die Chance, die funktionalen Verbindungen der Räume zur Klosterzeit für den Betrachter wieder erlebbar zu machen. Daher wurden sehr aufwändige Glaselemente eingebaut. Eine Akzentuierung der Aufgänge mit Licht ermöglicht nun jederzeit Ein- und Durchblicke in die Wirtschaftswege der Klosterzeit.

Beteiligte Firmen:

Architekt:

Tepe Grützbach Architekten, Arnsberg

Statik:

Ingenieurgesellschaft mbH. C. Köster, Arnsberg

Lichtgestaltung:

Sabine Brunner, Leitung Projekt Lichtlösungen, Trilux GmbH & Co. KG, Arnsberg

Sicherheitstechnik:

Quadflieg Schließtechnik, Arnsberg

Bosch Security Systems GmbH, Meschede

Elektro:

Bierbaum Elektro-Montagen, Arnsberg

Maurerarbeiten:

BHGI Frank Leygraaf, Arnsberg

Malerarbeiten:

Malermeister Ludger Krick, Arnsberg

Sanitär:

Fiedler & Schmidt GmbH, Arnsberg

Schreinerarbeiten:

Tischlerei Hamm, Arnsberg

Schreinermeister Stefan Becker, Sundern

Metallarbeiten:

Ernst Reppel & Co. Metallbau GmbH, Balve